Elegoo Centauri Carbon 2: Mehrfarb-3D-Druck wird endlich bezahlbar
Stell dir vor, du könntest bunte 3D-Drucke erstellen, ohne ständig am Drucker zu stehen und Filamente von Hand zu wechseln. Klingt nach einem Feature, das nur die teuren High-End-Maschinen beherrschen? Nicht mehr. Elegoo hat gerade den Elegoo Centauri Carbon 2 auf den Markt gebracht – ein Gerät, das Mehrfarb-Druck in eine Preisklasse holt, wo du ihn definitiv nicht erwartest. Rund 440 Euro – und trotzdem Features auf dem Papier, für die andere Hersteller gerne das Doppelte verlangen.

Als jemand, der seit Jahren im 3D-Druck unterwegs ist, kann ich dir sagen: Die Ankündigung hat mich aufhorchen lassen. Nicht weil dieser Drucker alle Probleme lösen wird oder das perfekte Gerät ist, sondern weil die Specs genau die richtige Balance treffen zwischen “Ich will coole Sachen drucken” und “Ich hab kein halbes Vermögen übrig”. Was Elegoo hier verspricht, könnte 2026 richtig spannend werden. Lass uns mal schauen, was drin steckt.
Was verspricht der Elegoo Centauri Carbon 2?
Das Herzstück soll das CoreXY-Design kombiniert mit dem CANVAS-System sein. Falls CoreXY für dich neu ist: Dabei bewegen zwei Motoren den Druckkopf über ein cleveres Riemensystem. Der Vorteil? Der Kopf kann extrem schnell und präzise arbeiten, weil die bewegte Masse deutlich geringer ist als bei klassischen Kartesischen Systemen. Elegoo gibt bis zu 500 Millimeter pro Sekunde Druckgeschwindigkeit und eine Beschleunigung von 20.000 mm/s² an. Das sind Werte, die du sonst eher von den Speed-Printing-Champions kennst.
Klar, in der Praxis wirst du wahrscheinlich nicht jeden Auftrag mit Vollgas drucken. Je nach Modell, Material und gewünschter Qualität fährst du oft deutlich langsamer. Aber die Möglichkeit zu haben, bei unkritischen Bereichen richtig Gas zu geben, könnte einen riesen Unterschied bei der Gesamtdruckzeit machen – zumindest theoretisch.
CANVAS: Vier Farben, ein Druckjob – das ist geplant
Das CANVAS-System soll der eigentliche Game-Changer werden. Du kannst laut Elegoo bis zu vier verschiedene Filamente gleichzeitig nutzen, und der Drucker wechselt automatisch zwischen ihnen. Kein nerviges Pausieren, kein manuelles Eingreifen, kein “Oh verdammt, hab ich verpasst”-Moment um drei Uhr morgens – so zumindest die Idee.
Elegoo verspricht intelligente Filament-Erkennung. Das System soll merken, wenn eine Spule zur Neige geht oder sich das Filament verheddert hat. Gerade bei Mehrfarb-Drucken, die gerne mal zwölf Stunden und länger laufen, wäre das wirklich Gold wert. Niemand will morgens aufstehen und feststellen, dass der Druck nach Stunde drei abgebrochen ist, weil das blaue Filament leer war.
Besonders clever klingt der RFID-Reader. Wenn du Elegoo-Filamente verwendest, soll das System automatisch erkennen, welches Material auf der Spule ist und die passenden Druckparameter laden. Kein manuelles Einstellen von Temperaturen, Retraction-Werten oder Druckgeschwindigkeiten. Das würde nicht nur Zeit sparen, sondern auch eine Menge Frustration – vor allem, wenn du zwischen PLA, PETG und TPU hin und her springst.
Natürlich soll das System auch ohne RFID mit Third-Party-Filamenten funktionieren. Du musst dann halt die Profile selbst konfigurieren, aber das kennen wir ja alle.
Der Elefant im Raum: Filament-Verschnitt
Jetzt muss ich aber auch ehrlich sein: Mehrfarb-Druck hat seinen Preis, und der heißt Filament-Abfall. Bei jedem Farbwechsel muss die alte Farbe aus der Düse gespült werden, damit die neue sauber rauskommt. Das Material, das dabei rauskommt – liebevoll “Poop” genannt – landet im Abfall-Container.
Je nach Modell und Anzahl der Farbwechsel kann da ordentlich was zusammenkommen. Das ist keine Schwäche des Centauri Carbon 2, sondern einfach Physik. Alle Mehrfarb-Systeme haben das Problem. Die gute Nachricht: Die Algorithmen werden stetig besser darin, den Verschnitt zu minimieren. Aber komplett weg bekommst du ihn nicht.
Trotzdem lohnt es sich. Wenn du schon mal versucht hast, ein mehrfarbiges Logo oder eine bemalte Miniatur zu drucken und dann mühsam mit der Hand anzumalen, weißt du, was ich meine. Der Komfort, ein fertiges buntes Teil aus dem Drucker zu holen, ist einfach unschlagbar.
350 Grad Celsius: Vielversprechende Specs
Ein Feature, das auf dem Papier wirklich interessant aussieht, ist die angegebene Hotend-Temperatur von bis zu 350 Grad Celsius. Kombiniert mit einer gehärteten Düse würde das Möglichkeiten eröffnen, die du bei Druckern dieser Preisklasse normalerweise nicht findest.
Die meisten Budget-Drucker kratzen bei 250 bis 280 Grad die Obergrenze. Das reicht für PLA, PETG und die meisten TPU-Varianten locker aus. Aber sobald du in Richtung Nylon, Polycarbonat oder spezielle Engineering-Materialien gehst, wird’s eng. Mit 350 Grad wärst du da deutlich flexibler – wenn die Specs in der Realität halten, was sie versprechen.
Natürlich macht die Temperatur allein noch keinen Industrie-Drucker aus dir. Du brauchst auch das passende Thermomanagement im Bauraum, und genau da will Elegoo mit der geschlossenen Kammer punkten.
Geschlossener Bauraum: Klingt vielversprechend
Der Centauri Carbon 2 soll mit einer enclosed chamber kommen, also einer geschlossenen Druckkammer, inklusive Smart Grille für Temperaturmanagement. Das klingt erstmal nach einem netten Extra, ist aber tatsächlich ziemlich wichtig – wenn es gut umgesetzt ist.
Viele Materialien reagieren empfindlich auf Temperaturschwankungen während des Drucks. PLA ist da noch vergleichsweise entspannt, aber sobald du ABS, ASA oder Nylon druckst, wird Warping zum echten Problem. Das sind diese nervigen Ecken, die sich während des Drucks vom Bett lösen und nach oben biegen.
Eine geschlossene, temperaturkontrollierte Kammer hält die Umgebungstemperatur konstant und reduziert das Risiko massiv. Gerade bei größeren Teilen ist das ein Segen. Kein Zugluft-Chaos, keine kalten Ecken, kein Drama.
Wie gut das konkrete Thermomanagement beim Centauri Carbon 2 in der Praxis funktioniert, werden die ersten Nutzer zeigen müssen. Aber allein die Tatsache, dass Elegoo hier mitdenkt, klingt schon mal vielversprechend.
31 Sensoren und Vollautomatik-Kalibrierung: Große Versprechen
Elegoo wirbt mit Full-Auto Calibration und sage und schreibe 31 Sensoren für “Intelligent Detection”. Das klingt erstmal nach Marketing-Blabla, aber dahinter steckt ein echter Trend in der 3D-Druck-Welt, den wir gerade überall sehen.
Die Branche bewegt sich weg von den Bastelgeräten, bei denen du erstmal drei Stunden Tutorials schauen musst, bevor der erste Druck halbwegs funktioniert. Stattdessen geht’s Richtung “Plug and Play” – oder zumindest “Plug and Print without wanting to throw it out the window”.
Automatische Bett-Nivellierung, Filament-Runout-Detection, Tangle-Erkennung, Temperatur-Überwachung – all diese Dinge sollen nicht nur den Einrichtungsfrust für Anfänger reduzieren, sondern auch den Alltag für erfahrene Nutzer entspannter machen. Gerade bei Mehrfarb-Drucken, wo ein einzelner Fehler Stunden Druckzeit zunichtemachen kann, wäre Zuverlässigkeit unbezahlbar.
Ob die 31 Sensoren wirklich den Unterschied machen oder ob das vor allem eine Marketing-Zahl ist, werden wir sehen, wenn die ersten Reviews eintrudeln.
Leise genug für die Wohnung?
Elegoo verspricht einen Betrieb unter 45 Dezibel. Ob das in deinem Setup genauso sein wird, hängt natürlich von vielen Faktoren ab: Untergrund, Aufstellort, Druckgeschwindigkeit, Lüfterprofile. Aber die Tatsache, dass Elegoo das Thema überhaupt adressiert, zeigt, wohin die Reise geht.
3D-Drucker wandern zunehmend aus der Werkstatt oder dem Keller ins Homeoffice oder sogar ins Wohnzimmer. Und wenn dein Drucker einen 14-Stunden-Print vor sich hat, willst du nicht die ganze Zeit ein Maschinengeräusch im Hintergrund haben. Jedes Dezibel weniger zählt.
Aus Erfahrung mit anderen Druckern kann ich sagen: Ein leiser Drucker macht den Unterschied zwischen “Ich starte den Print nur, wenn ich außer Haus bin” und “Läuft nebenbei, während ich arbeite”. Das verändert komplett, wie du den Drucker nutzt. Ob der Centauri Carbon 2 das hält, was Elegoo verspricht, werden die ersten Käufer berichten.
Bauvolumen: Der Sweet Spot für die meisten Projekte
Mit 256 mal 256 mal 256 Millimetern liegt der Centauri Carbon 2 in einem Format, das für die allermeisten Maker-Projekte gut geeignet sein sollte. Groß genug für Gehäuse, Halterungen, Cosplay-Teile in Segmenten, Spielzeug, Deko-Objekte, Brettspiel-Inserts – aber klein genug, dass du den Drucker problemlos auf dem Schreibtisch stehen haben kannst.
Klar, es gibt Situationen, wo du mehr Platz brauchst. Aber ehrlich gesagt dürften die meisten Hobby-Drucke deutlich kleiner als 25 Zentimeter sein. Und wenn doch mal was Größeres ansteht, druckst du es halt in Teilen und klebst oder schraubst es zusammen. Das ist sogar oft die bessere Lösung, weil du weniger Stützmaterial brauchst und gezielter optimieren kannst.
Software: ElegooSlicer auf Basis von OrcaSlicer
Beim Slicer – also der Software, die dein 3D-Modell in druckbare G-Code-Anweisungen übersetzt – will Elegoo auf den ElegooSlicer setzen, der auf OrcaSlicer basiert. Falls du OrcaSlicer nicht kennst: Das ist einer der aktuell beliebtesten Slicer in der Community, vor allem für Speed-Printing und Multi-Material-Workflows.
OrcaSlicer bringt moderne Features mit, die gerade bei Mehrfarb-Druck extrem wichtig sind: präzise Farbzuweisungen, Kontrolle über Purge-Einstellungen, detaillierte Materialprofile, realistische Druckzeit-Vorschau. Dass Elegoo hier auf einer etablierten Basis aufsetzen will statt ein komplett eigenes System zu entwickeln, klingt nach einer klugen Entscheidung.
Es könnte kürzere Lernkurve bedeuten, mehr Community-Support und regelmäßige Updates. Du kämpfst dann nicht gegen obskure Bugs in einer proprietären Software, sondern profitierst von einem ausgereiften Tool – zumindest in der Theorie.
Preis-Leistung: Hier wird’s richtig interessant
Der offizielle Preis liegt bei etwa 439 Euro in Europa, in den USA werden 449 Dollar genannt. Das ist die Preiszone, wo Mehrfarb-3D-Druck plötzlich für deutlich mehr Leute interessant wird.
Bisher war Multi-Color-Druck entweder ein DIY-Projekt mit viel Bastelei oder eine Investition im vierstelligen Bereich. Der Centauri Carbon 2 siedelt sich genau dazwischen an: professionell genug, dass es out of the box funktionieren sollte, aber erschwinglich genug, dass du nicht Monate sparen musst.
Das setzt die etablierten Hersteller unter Druck. Und das ist gut so. Konkurrenz belebt das Geschäft, und am Ende profitieren wir alle davon.
Für wen ist dieser Drucker gedacht?
Der Centauri Carbon 2 ist perfekt, wenn du schon ein bisschen Erfahrung im 3D-Druck hast und jetzt den nächsten Schritt gehen willst. Du weißt, wie FDM-Druck funktioniert, hast ein paar erfolgreiche Projekte hinter dir und denkst dir: “Mehrfarb-Druck wäre schon cool, aber ich will nicht mein halbes Budget sprengen.”
Gleichzeitig ist er auch für motivierte Einsteiger interessant, die von Anfang an mehr wollen. Die Automatisierung und Sensorik sollten den Einstieg deutlich erleichtern.
Besonders spannend ist der Drucker für:
Cosplayer, die farbige Props und Rüstungsteile drucken wollen, ohne nachher stundenlang am Pinseln zu sitzen. Miniaturen- und Tabletop-Fans, die ihre Figuren direkt mehrfarbig aus dem Drucker holen wollen. Maker und Tüftler, die funktionale Teile mit farblich kodierten Bereichen drucken – etwa verschiedenfarbige Kabelhalter oder Sortiersysteme. Bastler, die einfach Bock auf kreative Projekte haben und sich von den Möglichkeiten inspirieren lassen wollen.
Was du realistisch erwarten solltest
Mehrfarb-Druck ist kein Zaubertrick. Es kostet Zeit, es kostet Material durch den Purge-Prozess, und es erfordert ein bisschen Einarbeitung in die Software. Die ersten Drucke werden wahrscheinlich nicht perfekt. Das ist völlig normal.
Aber wenn du bereit bist, dich darauf einzulassen, öffnet sich eine komplett neue Dimension. Plötzlich kannst du Projekte umsetzen, die vorher entweder unmöglich oder extrem aufwendig waren. Mehrfarbige Logos, beschriftete Gehäuse, bunte Spielzeuge, farbkodierte Organisationssysteme, Lernmodelle für Kinder, wo verschiedene Teile verschiedene Funktionen haben.
Der Centauri Carbon 2 macht diese Möglichkeiten zugänglich, ohne dass du dafür ein Vermögen ausgeben oder zum 3D-Druck-Profi werden musst. Das ist der eigentliche Wert dieses Geräts.
Technische Details auf einen Blick
Damit du alle wichtigen Specs auf einem Blick hast: Der Drucker nutzt CoreXY-Kinematik für schnelle und präzise Bewegungen. Das CANVAS-System verwaltet bis zu vier Filamente mit automatischem Wechsel und intelligenter Erkennung. Die maximale Druckgeschwindigkeit liegt bei 500 Millimetern pro Sekunde mit 20.000 mm/s² Beschleunigung. Das Hotend erreicht bis zu 350 Grad Celsius und ist mit einer gehärteten Düse ausgestattet. Der Bauraum misst 256 mal 256 mal 256 Millimeter und ist geschlossen mit Temperaturmanagement.
31 Sensoren überwachen den Druckprozess für Full-Auto Calibration und Fehlererkennung. Die Lautstärke liegt laut Herstellerangabe unter 45 Dezibel. Als Slicer kommt ElegooSlicer auf OrcaSlicer-Basis zum Einsatz. Der RFID-Reader erkennt automatisch Elegoo-Filamente. Der Preis liegt bei circa 439 Euro.
Mein erstes Fazit: Spannende Ansage für 2026
Der Elegoo Centauri Carbon 2 ist noch nicht auf meinem Schreibtisch gelandet – den gibt’s ohnehin noch nicht zu kaufen. Aber die Ankündigung ist ein ziemlich klares Statement: Mehrfarb-3D-Druck soll 2026 kein Luxus-Feature mehr sein, sondern Teil der Maker-Normalität werden.
Elegoo scheint verstanden zu haben, worauf es ankommt. Nicht auf das eine Killer-Feature, sondern auf die Gesamtpackage: Mehrfarb-Komfort durch CANVAS, Material-Flexibilität durch hohe Temperaturen und geschlossene Kammer, Alltagstauglichkeit durch Automatisierung und Sensorik. Und das Ganze zu einem Preis, der nicht abschreckt.
Ist das der Drucker für jeden? Wahrscheinlich nicht. Wenn du nur gelegentlich einen simplen PLA-Druck brauchst, reicht ein günstigerer Einsteiger. Wenn du professionelle Produktionsteile mit extremen Anforderungen druckst, brauchst du wahrscheinlich was anderes.
Aber für alle dazwischen – für die Maker, Bastler, Tüftler, Kreativköpfe, die mehr wollen als nur graue Prototypen, aber nicht gleich ein halbes Jahresgehalt investieren können – könnte der Centauri Carbon 2 verdammt interessant werden.
Ich bin gespannt, wie sich das Gerät in der Praxis schlägt, wenn die ersten Nutzer ihre Erfahrungen teilen. Die Specs klingen vielversprechend. Die Preispositionierung ist aggressiv. Und der Zeitpunkt könnte kaum besser sein.
Falls Elegoo liefert, was sie versprechen, könnte das ein ziemlich guter Jahrgang für bezahlbaren Mehrfarb-3D-Druck werden.
